Sich für eine Therapie zu entschliessen, ist am Anfang die wichtigste Entscheidung. Wie bereits hervorgehoben, sind für diese Entscheidung die Untersuchungen zum Diagnosezeitpunkt, die Stadieneinteilung und die prognostische Klassifikation essentiell. Eine Therapie wird für eine aktive oder symptomatische Erkrankung empfohlen. Die Eile, mit der die Therapie begonnen werden muss, hängt von den genauen und individuellen Problemen des einzelnen Patienten ab. Es kann aber auch sein, dass die Krankheit so wenig ausgeprägt ist, dass am Anfang gar keine Therapie gemacht werden muss und dass eine regelmässige Beobachtung der Krankheit die beste Wahl sein kann.
| Art der Behandlung | Ziel | Beispiel | Zeit zum Entscheiden |
| Supportive Therapien | Lebensbedrohlichen chemischen Stoffwechselveränderungen des Körpers und Immunsystems entgegen zu wirken. |
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Stunden bis Tage |
| Palliation | Beschwerden lindern und körperliche Funktionen des Patienten bessern |
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Tage bis Monate |
| Remissionsinduktion | Symptome verhindern oder die Erkrankung verlangsamen bezw. aufhalten |
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Wochen bis Monate |
| Kurative Therapie | Permanente Remission* |
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Wochen bis Monate |
| Konsolidationstherapie |
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| Erhaltungstherapie |
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* Obwohl das Erreichen einer permanenten Remission bis dato nicht in wissenschaftlich bestätigter Form gelang, bleibt es das Ziel vieler experimenteller Behandlungen.
Es muss betont werden, dass das Multiple Myelom, obwohl es sich um eine ernste Erkrankung handelt, heute oftmals erfolgreich behandelt werden kann. Fast alle Patienten sprechen zunächst gut auf eine Behandlung an, und selbst bei Patienten mit mehrfachem Krankheitsrückfall können Behandlungserfolge erzielt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom liegt bei 5 Jahren. Mit den neuen Therapien ist aber eine weitere Verbesserung in der Lebenserwartung wahrscheinlich.
Grundsätzlich führen die verschiedenen Therapieansätze zu vorübergehenden Remissionen (Tumorrückbildung), und nach einer (zum Teil jahrelangen) Plateauphase zum Fortschreiten der Krankheit und einer neuen Therapie. Der Verlauf der Erkrankung kann durch Chemotherapie verlangsamt werden. Gleichzeitig wirkt die Chemotherapie möglichen Komplikationen (Niereninsuffizienz, Hyperviskositätssyndrom, Infekten, Knochenfrakturen) entgegen.
Nach der Diagnose des Multiplen Myeloms muss zunächst festgestellt werden, ob eine Therapie zum gegebenen Zeitpunkt notwendig ist. Eine optimale Behandlung erfordert die enge Zusammenarbeit von Hämato-Onkologen, Orthopäden, Nephrologen und Strahlentherapeuten. Die therapeutische Strategie richtet sich im wesentlichen nach folgenden Parametern:
Grundsätzlich gilt, dass für Patienten mit smoldering (schwelendem) Myelom und Multiplem Myelom im Stadium I keine Indikation für eine Chemotherapie besteht. Bei engmaschiger Beobachtung und Nachweis von Knochenabbau ist die frühzeitige Gabe von Bisphosphonaten ratsam, welche möglicherweise einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben und Knochenkomplikationen (Frakturen, Knochenschmerz) verringern können.
Eine aktive Behandlung wird empfohlen, wenn es zu einem Anstieg des M-Proteins oder zu klinischen Symptomen (Knochenabbau, Nierenversagen, Blutbildveränderungen, erhöhter Serumkalziumwert, Organ- oder Gewebeschäden, gehäuften Infektionen) kommt. Bei Patienten im Stadium II und Stadium III soll in jedem Fall eine Therapie begonnen werden. Das Behandlungsziel ist immer, die Myelomsymptomatik zu verbessern (Knochenschmerzen, Anämie, eingeschränkte Nierenfunktion, erhöhtes Serumkalzium), das M-Protein zu senken (d.h. eine maximale Remission zu erreichen) und so die Erkrankung zu kontrollieren.
In Überarbeitung
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Der Therapieerfolg wird am Rückgang des M-Proteins im Serum und Urin, an der Normalisierung einer vorbestehenden Anämie und Hypalbuminämie sowie anhand der Osteolysen gemessen. In aktuellen Studien werden die Ansprechraten nach den EBMT-Kriterien (European Group for Blood and Bone Marrow Transplantation) bewertet:
Nach einer Therapie werden Blutwerte regelmässig (zunächst ca. alle 4 Wochen) kontrolliert. Bei stabilem Verlauf können die Intervalle verlängert werden.
Alle 6-12 Monate ist eine Knochenmarkdiagnostik erforderlich. Bei symptomatischem Antikörpermangel werden Infekte mit Antibiotika und ggf. Immunglobulinsubstitution behandelt.
Die freien Leichtketten entstehen, wenn Paraprotein = Immunglobuline unvollständig von den Myelomzellen zusammengebaut werden. Bei gut differenzierten Myelomkrankheiten entstehen nur intakte Immunglobuline und keine freien Leichtketten. Die freien Leichtketten eignen sich besonders für die Verlaufsbeurteilung, da sie sehr rasch abgebaut werden, d.h. bei erfolgreicher Behandlung sinken sie schnell, bei Fortschreiten der Krankheit steigen sie rasch an.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.